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Die Qual der Wahl – Agentursoftware – Teil 2

Während ich in Teil 1 darüber berichtet habe, wie wir trotz hervorragender Entwicklungskompetenzen zur Entscheidung für den Einsatz einer ERP-Lösung eines Drittanbieters gelangt sind, widmet sich dieser Beitrag der Suche, Eingrenzung, dem Vergleich und letztendlich der Entscheidung für einen der ausgewählten Anbieter.

Anbieter von Agentursoftware

Sucht man bei Google nach logischen Begriffen wie „Agentursoftware„, bekommt man recht schnell eine mehr oder weniger vollständige Auswahl verschiedener Anbieter im deutschsprachigen Raum. Einen ersten guten Zugang bieten hier Links von Netscout.ch oder Agentursoftware-Guide.de. Liest man sich darauf folgend die ersten Programmbeschreibungen auf der Website des Anbieters durch, bekommt man zwar einen guten ersten Eindruck, eine Entscheidung ist an dieser Stelle jedoch noch nicht möglich. Auch eine Suche nach Erfahrungsberichten erweist sich als nicht zufriedenstellend, da die „aktuellsten“ Suchergebnisse zu diesem Thema aus dem Jahr 2012 stammen. Nachdem wir eine Menge Fragen zu technischen Details für die Abbildung unserer Prozesse hatten, war für uns klar, dass wir eine Produktpräsentation von ausgewählten Anbietern bevorzugen würden.

Kriterien zur Auswahl

Da wir nicht ewig Zeit mit dem Vergleich aller Anbieter verbringen wollten, entschlossen wir uns dazu, nach einem oberflächlichen Screening drei Anbieter bezüglich einer detaillierten Produktpräsentation zu kontaktieren. Ausschlaggebend für die Auswahl waren 4 Punkte:

  1. Beständigkeit des Anbieters: Wie lange agiert er am Markt, macht es den Eindruck als ob die ERP-Software noch viele Jahre mit Updates und Erweiterungen weiterentwickelt wird
  2. Informationsgehalt der Website: Wieviel Information gibt der Anbieter auf seiner Website preis. Die Kosten sind hier gar nicht so wichtig, vielmehr geht es um Punkt 3, nämlich…
  3. Funktionsvielfalt: Beschreibt der Anbieter explizit Funktionen, die wir auf unserer Wunschliste haben und spiegelt der Ablauf in der Software unsere Prozesse wieder?
  4. Referenzen: Die Werbebranche ist klein, man kennt sich, man redet miteinander. Insofern haben wir uns im Umfeld umgehört bzw. uns die Referenzen der Anbieter angesehen und so die folgenden drei Anbieter für eine nähere Betrachtung ausgewählt.

Der Vergleich macht schlau

Proad

www.proadsoftware.com

www.proadsoftware.com

Proad punktet durch eine ausgesprochen ausführliche Website und ist mit über 25 Jahren einer der beständigsten Anbieter am Markt. Besonders interessant für uns: Mit dem Modul PROAD IT bietet das Unternehmen einen integrierten Issue-Manager und war damit auf der Suche nach einer All-in-one Lösung ein naheliegender Kandidat.

  • Konzept: Proad wird als Webapplikation aufgerufen und simuliert innerhalb eines Tabs ein „Multiwindowsystem“, mit dem es möglich ist, mehrere Programmzweige auf einmal zu öffnen.
  • Design: Informationen werden pragmatisch, simpel und überwiegend tabellarisch aufbreitet, womit das Design sehr übersichtlich ist.
  • Usability: Man startet von einem individualisierbaren Dashboard in die einzelnen Programmbereiche. Auf Grund der Tabs benötigt man eine gewisse Einarbeitungszeit bis man sich intuitiv zurecht findet.
  • Stärken: Proad ist der einzige von uns recherchierte Anbieter, der sich Gedanken über die Integration eines Ticket-Systems gemacht hat, welches in vielen Online-Agenturen zum Einsatz kommt. Damit positionieren sie sich als potentieller All-in-one Anbieter für Online-Agenturen. Außerdem: eigene Strukturen können über individuelle Tabs in den Projekten verhältnismäßig einfach abgebildet werden.
  • Schwächen: Aus Sicherheitsgründen wird ein Konzept verfolgt, dass keine Deeplinks vorsieht. Zudem werden Files nicht physisch am Server abgelegt, sondern in der Datenbank gespeichert.

Troi

www.troi.de

www.troi.de

Auf Troi sind wir auf Grund einer Empfehlung im beruflichen Umfeld aufmerksam geworden. Das Unternehmen ist seit 2001 am Markt und war für uns insbesondere auf Grund ihres „Troi Webmailers“ zur vollständigen Integration des Mailverkehrs interessant, da wir bisher mit relativ viel Aufwand den kompletten Mailverkehr dokumentieren und Attachments zentral archivieren und diesen Prozess gerne vereinfachen würden.

  • Konzept: Troi wird ebenfalls als Webapplikation aufgerufen und verfolgt ein Single-Window-Prinzip.
  • Design: Der Fokus liegt sehr klar auf Ästhetik, das Design wirkt sehr aufgeräumt.
  • Usability: Wer schon einmal mit Filemaker gearbeitet hat, dürfte mit dem Usability Konzept schnell vertraut sein. Für alle anderen könnte die Übersicht zunächst ein wenig leiden, weil manche Informationen erst mit zusätzlichen Klicks sichtbar werden.
  • Stärken: Sieht im Vergleich zu den anderen Lösungen am Besten aus. Zudem kann jede Leistung als Fremdleistung behandelt werden und Troi wirbt mit einem Outlook-Plugin zur Ablage der Mails (wurde in der Präsentation leider nicht gezeigt).Nach Angaben des Herstellers existiert eine Schnittstelle zu Jira.
  • Schwächen: Usability-Konzept ist gewöhnungsbedürftig und Troi nimmt nur bedingt auf unsere speziellen Bedürfnisse Rücksicht.

easyJOB

www.because-software.com

www.because-software.com

easyJOB ist wie Proad ebenfalls mit über 25 Jahren ein äußerst beständiger Entwickler am Markt. Mit meiner beruflichen Vergangenheit hatte ich zu Beginn meiner Recherche zumindest einen groben Überblick dessen, was man sich von dieser Agentursoftware erwarten kann, weshalb wir es uns für unsere Zwecke ebenfalls genauer angesehen haben.

  • Konzept: Verfolgt ein Konzept, dass stark auf den Einsatz mehrerer Fenster setzt. Wenn man nicht aufpasst, kann darunter wie beim Surfen im Web die Übersicht leiden.
  • Design: Inhalte werden ebenfalls pragmatisch und überwiegend tabellarisch dargestellt. Fokus liegt klar auf Funktion vor Design.
  • Usability: Anfänger können sich von der Funktionalität erschlagen fühlen, sofern nicht benötigte Bereiche nicht ausgeblendet werden. Mit zunehmender Einarbeitung lernt man die Fülle an Detailfeatures zu schätzen.
  • Stärken: Ist flexibel genug, um sehr komplexe Workflows mit relativ geringer „Reibungshitze“ abbilden zu können und bietet eine gute E-Mail Integration samt Dokumentenerwaltung. Als österreichische Agentur ist zudem die lokale Nähe des Entwicklers ein Vorteil.
  • Schwächen: Auf Grund des Usability Konzepts zum Teil kompliziert in der Bedienung. Usability ist an einigen Stellen klar schwächer als beim Konkurrenten. Das Multi-Window-Konzept polarisiert zudem.

Entscheidung für easyJOB

Troi schied im Vergleich zu den beiden Anbietern relativ früh aus, da es für unsere Anforderungen zu unterdimensioniert wirkt. Zwar werden bis auf den Issue-Manager für alle Funktionen eine Lösung geboten, jedoch würde uns das Usability Konzept zu Änderungen im Workflow zwingen, hier muten Proad und easyJOB flexibler an.

Beim Issue-Manager von Proad stellten wir im Lauf der Präsentation fest, dass das Feature funktional noch nicht ausgereift genug ist, um ein etabliertes Ticket System zu ersetzen, weshalb das Argument für Proad als All-in-one Anbieter wegfiel. Außerdem war für uns das Festhalten am Konzept ohne Deeplinks und die in der Datenbank integrierte Dokumentenstruktur ebenfalls nicht die optimalste Lösung.

easyJOB selbst überzeugte hier letzten Endes mit seiner  Offenheit und Flexibilität. Flexibilität, die es uns ermöglicht, viele Workflows ohne nennenswerte Umstellungen beibehalten zu können. Und Offenheit in Form einer SOAP-Schnittstelle, womit wir uns auf Basis einer bereitgestellten Dokumentation eine eigene Überleitung von Mantis nach easyJOB entwickeln können und so steuern, nach welchen Regeln Stunden, Projekte und Leistungen von easyJOB nach Mantis und retour zusammengeführt und für die Abrechnung vorbereitet werden können.

To be continued

Wie geht es nun weiter? Nachdem wir uns nun für einen Anbieter entschieden haben, steht als nächstes die Implementierung, beginnend mit der Übernahme der Stammdaten und dem Grundsetup an. Insofern werde ich bei Gelegenheit in meinem nächsten Beitrag einige unserer Erfahrungen bei der Implementierung, insbesondere bei der Anbindung mit unserem Issue-Management System „Mantis“ im Detail vorstellen.

Kommentare

  • Wäre auch an der Fortsetzung interessiert. ) Ist ja ein spannendes Thema :D

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    Antworten
  • Gibt es denn mittlerweile einen Teil 3? Wir sind jetzt seit fast 4 Jahren bei Revolver und werden jetzt wahrscheinlich weggehen, da es in den letzten Jahren keine Weiterentwicklung gab und die fehlende Webapplikation ein absolutes Nogo ist.

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    • Hallo Philipp,

      Teil 3 schulde ich noch – habe mir vorgenommen einen Jahresrückblick zu verfassen, wenn sich das Geschäft ein bisschen beruhigt hat. Vorneweg: wir sind mit dem Integrationsgrad noch nicht dort wo wir hinwollen, aber auf einem sehr guten Weg und haben die Entscheidung für easyJOB bisher nicht bereut. Die Abrechnung in Kombination mit unserem Ticket-System und die Stundenerfassung funktionieren perfekt und haben uns das Leben im Projektmanagement um einiges leichter gemacht :)

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  • Vielen Dank für diese Kriterien. Mir fällt es schwer ich für Agentursoftware zu enscheiden. Ich habe zum Beispiel diese Seite gefunden. http://www.dto.de/

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  • Finde es total gut, wenn jemand den Markt der Agentursoftware aufbröselt. Wir beschäftigen uns in unserer kleinen Agentur gerade mit http://www.agenturbo.de – Ist allerdings nicht in der Betrachtung drin. Da wäre es hilfreich eure Wunschliste zu sehen, um auch für uns vllt. mögliche Zusatzfeature auf dem Zettel zu haben und bei unserer Suche anzuwenden.

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  • Und wie lief es mit der Implementierung? Bin gespannt auf Teil 3. , denn haben mit dem Thema bei http://www.mocoapp.com (URL auf wunsch bearbeitet) auch zu tun. Wir lernen immer gerne dazu und fügen Deinem letzten Satz „(…) bewusst reduzierter Funktionsumfang, um die Einstiegshürden möglichst klein zu halten.“ hinzu:

    Zusätzlich setzen wir auf einen bewusst reduzierten Funktionsumfang, um nach dem Einstieg die Arbeit und die Abläufe ANGENEHM und einfach zu halten. :)

    @netscout:
    Es wäre toll, wenn es vom Artikel mal ein Update gäbe zum verlinkten Artikel von 2011 :)

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  • So, drei Monate sind wieder vorbei
    Jetzt wärs an der Zeit für Teil drei.

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    • Ist in Arbeit, da die Implementierung aber noch andauert (wir sind da sehr anspruchsvoll), kann ich noch keinen Zwischenstand liefern :)

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  • Danke dir für die Informationen!
    Freue mich schon aufs weitere :)

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  • Juhu, die Fortsetzung! Jetzt bin ich gespannt auf Teil 3 =)

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  • Danke für den Hinweis auf Netscout. Was mich noch interessieren würde. Habt ihr http://www.teambox.at/ auch angeschaut? Ist ja sogar Wiener Software. Wenn ja, weshalb nicht in der Endauswahl?

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    • Haben wir. Teambox hat es (bezugnehmend auf unsere Auswahlkriterien) aus 3 Gründen nach dem Screening nicht in die Endauswahl geschafft:
      1) Informationsgehalt auf der Website: Die Funktionen waren nicht so ausführlich wie bei den Finalisten beschrieben. Es gibt zum Beispiel keine Hinweise auf Schnittstellen zu Issue-Trackern oder Buchhaltungsüberleitungen.
      2) Funktionsvielfalt: Die „Basics“ sind lt. Infos der Website abgedeckt, allerdings fehlte uns ein bisschen eine Art von „Killerfeature“.
      3) Referenzen: Als wir uns im Umfeld umgehört haben, fielen 3 Namen: Troi, easyJOB und Revolver.

      Mein persönlicher Eindruck:
      bewusst reduzierter Funktionsumfang, um die Einstiegshürden möglichst klein zu halten.

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