LimeSoda Blog ☰ Zeige Kategorien

LimeTV: Webshop und ERP

Kaum ein erfolgreicher Webshop kommt langfristig ohne Schnittstelle zu einem Warenwirtschaftssystem, meist als ERP (enterprise resource planning) bezeichnet, aus. Wenn mehr als eine Handvoll Produkte vorhanden sind, wenn Lagerstände oder Bestellstatus abgeglichen werden müssen, dann führt kein Weg an einer Schnittstelle zwischen ERP-System und Webshop vorbei. Dadurch werden wichtige Prozesse automatisiert. Was einfach klingt, bedarf in der Praxis einiges an Erfahrung und Planung. Im folgenden Video aus unserer Serie LimeTV gebe ich einen kurzen Überblick über das Thema „Schnittstelle Webshop und ERP„.

Gibt es eine Schnittstelle?

Zu Beginn muss geklärt werden, ob Webshop und ERP jeweils über eine Schnittstelle verfügen. Also über eine definierte Methode zum wechselseitigen Datenaustausch. Im positiven Fall steht bei beiden Systemen auch noch die gleiche Schnittstellentechnologie bereit. Gängige Austauschformate sind CSV- oder XML Dateien sowie Webservices wie SOAP oder REST. Damit ist die Grundvoraussetzung für den wechselseitigen Datenaustausch erfüllt.

Gibt es bereits einen Konnektor?

Am schnellsten gelingt die Anbindung des ERP, wenn schon mal jemand zuvor die konkrete Verbindung zwischen den beiden betroffenen Systemen programmiert hat und diese Lösung erhältlich ist. Viele Warenwirtschafts- und Shopsystemhersteller bieten Konnektoren zu gängigen Systemen der Gegenseite. Außerdem gibt es Drittanbieter mit „fertigen“ Lösungen. Die Anführungszeichen im vorigen Satz resultieren aus meiner Beratungspraxis und unseren Erfahrungen bei der Umsetzung von Webshopschnittstellen. Das Vorhandensein eines Konnektors an sich ist nämlich bestenfalls ein gutes Zeichen aber bestimmt keine Garantie für ein funktionierendes Zusammenspiel. Warum? Weil in der Regel sowohl ERP als auch Webshop individualisiert werden und dann die große Frage ist, wie gut der vorhandene Konnektor das abbilden kann. Im Notfall bleibt nur die Adaptierung oder Neuentwicklung.

Welche Daten werden ausgetauscht?

Hier beginnt schon die Detailplanung. Was soll in welche Richtung importiert bzw. exportiert werden? Mögliche Datenarten wären hier beispielsweise Produktdaten, Produktkategorien, Kundendaten, Preislisten, Bestellungen, Lagerstände, Bestellstatus oder Tracking-Codes der Logistik. Bei den Produktdaten gilt es auch Multimedia-Dateien wie Bilder, Videos oder Downloads zu berücksichtigen. Ist der Umfang geklärt, muss auch ein geeignetes Updateintervall festgelegt werden. Üblicherweise werden Daten wie Lagerstände häufiger abgeglichen als Produktdaten. Letztere können zumeist aus Performancegründen auch nicht jedes Mal vollständig importiert werden. Über einen Deltaabgleich werden nur jene Daten importiert, die sich geändert haben. So wird der Server weniger belastet und der Aufbau diverser Indizes, beispielsweise für die Produktsuche, geht schneller. Bei performanten Systemen erfolgt dieser Deltaabgleich nicht auf Produkt- sondern sogar auf Attributebene. Es werden sozusagen manchmal auch nur „halbe“ Produkte neu eingespielt. In manchen Fällen können die Daten so komplex und volatil sein, dass sich ein Abgleich gar nicht auszahlt. Beispielsweise kann die Preisfindung im B2B-Bereich mit unzähligen Rabattarten, Kundenpreisen und Sondervereinbarungen derartig kompliziert sein, dass im Webshop das halbe ERP nachgebaut werden müsste. In solchen Situationen kann es auch Live-Abfragen vom Shopsystem in das ERP geben. Was wiederum ein weites Feld für Performanceoptimierung eröffnet.

Welches ist das führende System?

Wir kennen aus unseren Webshop-Projekten 2 Implementierungsarten:

  1. Das ERP ist das führende System
  2. ERP und Webshop teilen sich die Datenhaltung

Der erste Fall ist der klassische „nach Lehrbuch“. Dabei ist der Webshop „dumm“. Das heißt, wenn man dort alle Daten löscht, könnte man auf Knopfdruck alles wieder neu importieren und alles wäre wie zuvor. Die Daten werden zentral in einem System gewartet. Nachteilig ist, dass die meisten ERP-Systeme nicht auf die Marketing-Anforderungen eines modernen Webshops abgestimmt sind. Es müssten sämtliche Marketingtexte zum Produkt, Tags, SEO-Daten, Mehrfachzuordnungen zu Kategorien, Produktbilder und -videos oder auch Kategoriebeschreibungen im ERP wartbar sein.

Kann das ERP diese Anforderungen aus technischen oder kaufmännischen Gründen nicht abdecken, kann der Datenaustausch auf ein Minimum beschränkt werden. Speziell die weiterführenden Produktdaten sind oft einfacher und bequemer im Webshop wartbar. Dann allerdings gilt es bei der Datenwartung gute Prozesse aufzusetzen. Schließlich müssen Änderungen an Produkten immer in beiden Systemen durchgeführt werden, bevor das Produkt richtig angezeigt wird.

War da noch was?

Damit alles gut läuft, sind noch ein paar andere Dinge zu berücksichtigen. Damit professionelle Wartung möglich ist muss die Schnittstelle fähig sein, abwechselnd auf Live-, Test- und Entwicklungsumgebungen zuzugreifen. Für das Debugging sollten spezielle Monitoring-Tools eingerichtet werden. Damit man rasch die Ursache findet, wenn bei einer Produktanzeige mal ein Fehler auftritt. Potentielle Fehlerquellen gibt es mit zB ERP, Webshop, Konnektor, Webhosting und Nutzern viele. Der E-Mailversand muss geklärt werden. Erfolg er durch Webshop oder ERP? Wie lassen sich externe Marketing Automation Tools integrieren? Und am Ende ist noch ein zuverlässiges Backup notwendig, damit vor allem im Fall von verteilten Daten ein verwendbarer Datenstand verfügbar ist. Wenn mal etwas passiert.

Wie gehe ich das Thema richtig an?

Stehen Sie vor der Herausforderung einer E-Commerce-Lösung mit ERP-Anbindung überlegen Sie genau, welche Funktionen Sie in welcher Priorität benötigen. Lassen Sie sich zusätzlich auf jeden Fall beraten. Vertrauen Sie nicht blind irgendwelchen Aussagen à la „kein Problem“ oder „das gibt es fertig„. Sie können Glück haben, wahrscheinlich sind aber gute Planung und Ausführung notwendig. Falls Ihr Dienstleister so etwas noch nie gemacht hat, unterschätz er den Aufwand ziemlich sicher. Wir haben viel Erfahrung mit dem von uns eingesetzten Webshopsystem Magento Commerce und seiner Anbindung an ERP-Systeme wie zB Mesonic, Sage, ETRON und Individualsysteme. Wir haben auch schon sehr viel ERP-Funktionalität in Magento direkt integriert. Besonders leicht war es aber noch nie. Hunderte Stunden sind von der Planung bis zur Liveschaltung eher die Regel als die Ausnahme. Nur wenn Sie voll mit bestehenden Lösungen auskommen und nichts anpassen müssen, dann kann auch mal etwas „von der Stange“ gut funktionieren. Wir beraten Sie gerne.

Ergänzungen zum Thema gerne posten, ich stehe für Rückfragen gerne zur Verfügung!

 

Hinterlasse einen Fingerabdruck für die Ewigkeit: Ein Kommentar bei LimeSoda!

(*) Pflichtfeld

Bewirb dich bei uns!

LimeSoda.
Digitalagentur in Wien.

Bewirb dich jetzt!
Philipp Pfaller

Verpasse nicht den nächsten Blog-Post von Philipp!

Jetzt zum LimeSoda-Newsletter anmelden