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Magento Imagine 2017: Magento schaltet in den nächsten Gang

Was für ein Erlebnis, diese Magento-Imagine-Konferenz! Das letzte Mal bei einer großen US-Konferenz war ich im Jahr 2011. Damals war Magento gerade Teil der eBay-/PayPal-Familie geworden. Deswegen hatten die drei Unternehmen die Innovate Conference 2011 in San Francisco gemeinsam ausgerichtet. Und auch wenn Imagine und Innovate recht ähnlich klingen: in diesen sechs Jahren hat sich viel verändert.

Imagine 2017: Community, Magento 2, Enterprise-Features

Die Imagine 2017 und damit Magentos Ziele im Jahr 2017 lassen sich in drei Schlagworten zusammenfassen:

  • Community als wichtiger Faktor
  • Verbesserungen von Magento 2
  • neue Features für Enterprise-Kunden.

Um ehrlich zu sein: wie wichtig die Community ist, beschwört Magento auf jedem Event. Die Taten konnten nicht immer mit den Ankündigungen Schritt halten. Und doch hat man den Eindruck, dass sich hier gerade in den letzten ein, zwei Jahren sehr viel tut. Wie wir gleich noch sehen werden, hat die Community zumindest auf der Code-Ebene mehr mitzureden als je zuvor. Unter die mehr als 2.700 TeilnehmerInnen, die aus 50 Ländern von Argentinien über Österreich und Indien bis hin zu Japan und Neuseeland angereist sind haben sich außerdem 300 Magento-MitarbeiterInnen gemischt, die man an allen Ecken und Enden treffen und sich mit Ihnen über Magento unterhalten konnte.

Das zweite große Thema ist wenig verwunderlich Magento 2. Drei Punkte bewegen die Community, derer sich Magento auch bewusst ist:

  • die Stabilisierung des Produkts,
  • Optimierungen beim Implementierungsaufwand und
  • die Schaffung von Anreizen zum Umstieg von Magento 1 auf Magento 2.

Ein stabiles Produkt und effiziente Umsetzungen sind ein Muss sind damit Magento 2 in Betracht gezogen werden kann. Neue Features hingegen sind ein Hauptbeweggrund für den Wechsel von Magento 1 zu Magento 2. Magento rückt hier vor allem die Enterprise-Edition durch den Ausbaus des Feature-Portfolios in den Fokus.

Community

Die Magento-Community ist ein verrückter und liebenswerter Haufen, der in den letzten neun Jahren zu einer weit verstreuten und dennoch ständig miteinander verbundenen Familie zusammen gewachsen ist. Weil man auf der Konferenz selbst aufgrund des dichten Programms gar nicht so viel zum reden kommt bildet sich rund um das Event ein buntes Rahmenprogramm. Das wird zu großen Teilen von der Community organisiert, wobei sich viele Magento-MitarbeiterInnen dort blicken lassen.

Big Dam Run

Einerseits hätten wir hier den Big Dam Run. Der wird von Wagento veranstaltet und hat dieses Jahr weit über 100 TeilnehmerInnen angezogen. Wir wurden mit drei Bussen und etlichen Autos um 7:30 Uhr Früh zum Hoover Dam kutschiert und konnten dort einen feinern morgentlichen Lauf absolvieren. Erstaunlicherweise wird es in der Wüste warm und zu einem Staudamm geht es bergauf, weswegen etliche TeilnehmerInnen aus dem 10K spontan einen 5K-Lauf gemacht haben. ;-)

Imagine Hackathon

Wer nicht laufen wollte, konnte stattdessen beim Hackathon an Magento-2-Modulen schnitzen, der von AOE organisiert wurde. Besonders fein ist, dass auch einige Core-Programmier anwesend waren die mit Rat und Tat zur Seite standen. So werden es ein paar Verbesserungen vielleicht in den Magento-2-Core schaffen.

Pre-Imagine

Nach so einem anstrengenden Vor-Konferenz-Tag hat man sich etwas zu Essen und Trinken verdient. Die Gelegenheit bot sich bei Pre-Imagine, einem Event am frühen Abend das WebShopApps auf die Beine gestellt hat. Vielen Dank bei dieser Gelegenheit auch an die vielen Sponsoren, denn 435 TeilnehmerInnen wollen erst einmal gefüttert werden!

Nicht zu verachten war die Special-Guests-Band, bestehend unter anderem aus Ben Marks am Schlagzeug, Mathew Beane an der Gitarre und Ann Hudspeth am Mikrofon.

Dev Exchange

Das war bei weitem noch nicht alles, aber zuletzt möchte ich noch den Dev Exchange erwähnen. Dieses Zusammenkommen am Ende der Konferenz hatte Ähnlichkeit mit einem Barcamp. Themen konnten vorab vorgeschlagen und für sie gevotet werden. Magento hat dann daraus eine Agenda gebastelt und runde Tische aufgestellt, an denen sich die Community und die Core-MitarbeiterInnen zusammensetzen konnten um Themen wie Frontend-Verbesserungen, Varnish oder Headless-Implementierungen von Magento 2 zu diskutieren.

Und das war nur der offizielle Teil. Dazu kommen noch die ganzen Insider und Blödeleien rund herum. Schön ist zum Beispiel die Mount-Rushmore-Serie von Ignacio:

Eindrücke vom Gewusel auf der Konferenz bieten diverse Videos wie diese Snaptacles-Story oder die Videos von Max Pronko:

Magento-Master-Awards

Ein persönliches Highlight für mich war natürlich, direkt vor der Gast-Speakerin Serena Williams gemeinsam mit den anderen Magento Masters auf die große Bühne steigen zu dürfen um den Award abzuholen und nach Hause nach Österreich zu bringen:

Darüber hinaus gab es ein dediziertes Masters-Frühstück, an dem einige wichtige Personen von Magento wie CEO Mark Lavelle, CMO Andrea Ward, Head of Product Management Paul Boisvert und Chief Architect Alan Kent teilnahmen:

Diversity

Ebenfalls im Gespräch war Diversity, genauer die Vielfalt unter den MitarbeiterInnen in Unternehmen. Hierzu gab es eine Diskussionrunde, die sich auf die Förderung von Frauen im Technikbereich konzentrierte.

Francesca Molinari, Chief Human Resource Officer von Magento, betonte dass CEO Mark Levelle aktiv auf sie zukam und förderte, dass ein starker Fokus auf die Vielfalt im Unternehmen gelegt wird. Diversity ist in vielen Unternehmen noch ein untergeordnetes Thema. Daher ist es schön zu sehen, dass dieses Panel auch außerhalb der Session zu Diskussionen angeregte.

Nicht verschwiegen sei, dass beim „legendären“ Party-Event am zweiten Tag im Kontrast dazu die vorwiegend weiblichen TänzerInnen auffielen und es offline und online deswegen die eine oder andere Anmerkung gab. Auch dass die obligatorischen Konferenz-T-Shirts nur in einem Uni-Sex-Schnitt vorhanden waren könnte nächstes Jahr verbessert werden. Magento bittet zu solchen Punkten um Feedback, z.B. in der Umfrage die nach der Konferenz an alle TeilnehmerInnen ausgesendet wurde.

Um das Thema versöhnlich abzuschließen: noch vor dem „Legendary-Gate“ kündigte Magento an, vom aus Community-Fotos zusammengestelten Mosaik 100 nummerierte Drucke zu erstellen, diese zu versteigern und Erlöse daraus an Women Who Code zu spenden.

Verbesserungen in Magento 2

Viele Talks behandelten, was in Magento noch verbessert werden kann. Neben dem Magento 2.2 Release, das im 3. Quartal erfolgen und das viele Probleme fixen soll und der Version 2.1.6, die noch diese Woche Performance-Verbesserungen bringen soll gibt es einige Initiativen.

Extensions Magento Marketplace

Der Prozess rund um die Überprüfung und Freischaltung von Extensions im Magento Marketplace soll verbessert werden. Ziel ist, die Qualität der Extensions zu steigern und den Extension-Entwicklern schnelleres Feedback zu geben. Im ersten Quartal wurden bereits einige Checks hinzugefügt. Neben einer manuellen Qualitätskontrolle werden die Module auf ihre Funktionalität im Production-Mode, verschiedenen PHP-Versionen, Problemen mit Varnish und auf Malware hin getestet.

Weitere Schritte sind geplant:

Frontend

Die Community arbeitet weiter am Tool-Set frontools, das auch wir verwenden. Tweets zum Thema Frontend sollen zukünftig mit #magefront versehen werden, um sie auf Twitter besser auffinden zu können.

Developer Experience

Magento entwickelt mit der DevBox seit einiger Zeit ein Docker-Setup, das EntwicklerInnen den Einstieg in die Magento-2-Arbeit erleichtert. Max Yekaterynenko, Director of Community Engineering, und Piotr Kaminski, Lead Product Manager, demonstrierten wie die Box mit der Magento Enterprise Cloud Edition zusammen verwendet werden kann.

Interessant waren für Developer die Ankündigungen, dass größere Architektur-Änderungen und -Neuigkeiten zukünftig in Webinaren vorab präsentiert werden um frühzeitig Feedback von der Community zu erhalten. Außerdem soll das Angebot an Contribution Days ausgebaut werden, an denen Community-Mitglieder gemeinsam mit Magento-MitarbeiterInnen an Magento 2 arbeiten. So lernt man, wie man Verbesserungen korrekt einbringt.

Magento bemüht sich mit dem Beginn dieses Jahres geschaffenen Community Engineering Team die Code-Beiträge der Community-Mitglieder schneller zu bearbeiten. Das Team besteht auf 5 Magento-Mitarbeitern die sich ausschließlich um diese Pull-Requests und die Arbeit auf GitHub kümmern sowie aus 5 so genannten Gatekeepers aus der Community die dabei helfen und ebenfalls Zugriff den Magento-Code und die Infrastruktur haben. Hier sind die beeindruckenden Zahlen des Community-Engineering-Teams:

Ankündigungen und neue Features

Zuletzt wollen wir nicht vergessen auf die Dinge, die Magento auf der Imagine angekündigt hat. Hier gibt es einige Neuigkeiten. Viele von ihnen sind Teil der Enterprise Edition, was Magento hilft die Lizenzkosten für dies kostenpflichtige Version von Magento Digital Commerce (wie die Shop-Software inzwischen heißt) zu argumentieren.

Magento Security Scan

Magento startet einen Security-Scan als kostenloses Service. Der Scan kann für Magento 1 und Magento 2 ausgeführt werden. Da sich das Produkt momentan in der Beta-Phase befindet, können sich Interessierte per Mail melden.

Magento Commerce Order Management (MCOM)

Nicht neu, aber trotzdem eine Erwähnung wert war Magento Commerce Order Management. MCOM versteht sich als Middleware und damit gemeinsame Anlaufstelle im Omnichannel-Handel. Der Webshop, Kassen-Systeme („Point of sale“), andere Verkaufskanäle und Systeme wir CRMs oder PIMs können daran angeschlossen werden. MCOM orchestriert wenn das gewünscht ist das dahinter liegende Fulfillment. Das Produkt ermöglicht damit die Steuerung von Drop-Shipping, Ship-to-Store, In-Store-Pickup / Click & Collect und vieles mehr. Enterprise-Features wie diverse Warenlager werden natürlich unterstützt.

Magento 2 B2B

Im kommenden Release 2.2 der Enterprise-Edition wird ein umfassendes B2B-Modul enthalten sein. Es fallen keine weiteren Kosten gegenüber der Enterprise-Edition an. Somit kann man B2C und B2B mit einer Installation abdecken. Jason Woosley, Senior Vice President of Product and Technology, begründete den Schritt damit, dass 60% der 260.000 Magento-Händler (also über 150.000) in der einen oder anderen Form auch B2B-Handel betreiben. Magento müsse daher die Chance ergreifen, „B2B als einen Bürger erster Klasse zu behandeln“.

Zu den B2B-Features zählen:

  • Getrennte Unternehmens- und Nutzer-Accounts
  • Hierarchien für diese Accounts
  • Rollen / Rechte für diese Accounts
  • Option, Kreditlimits für Unternehmen zu setzen oder die Zahlungsarten einzuschränken
  • Workflow, um Angebote („Quotes“) mit Preisanfragen und -Verhandlungen inkl. Verlauf abzuwickeln
  • Kunden-/Unternehmensspezifische Produkt-Kataloge und -Preise
  • Schnell-Bestell-Listen durch Eingabe der Bestellung über CSV-Dateien oder Text-Felder im CSV-Format
  • Multiple Einkaufslisten für schnelleres Wiederbestellen

Magento Social

Mit Magento Social veröffentlicht Magento ein kostenloses Modul für Magento 2 Community und Enterprise Edition. Magento Social erlaubt es, den Store in Facebook zu stellen und damit einen weiteren Verkaufskanal zu eröffnen. Auch Facebook-Ads können darüber angelegt werden.

Im Hintergrund erfolgt die Einbindung über Shopial. Das Basis-Paket dort kostet 35 Dollar pro Monat.

Magento Shipping

Ein weitere neue Komponente im Magento-Ökosystem ist Magento Shipping. Shipping erleichtert die Anbindung an Shipping-Carrier wie UPS oder FedEx sowie die Abwicklung des Fulfillments. In Kooperation mit temando können Sie Versandprozesse und -kosten optimieren. Neben Funktionen wie der Erstellung der Etiketten beherrscht temando intelligentes Inventory-Routing. Das heißt: Händler können Kunden können automatisch von der nächstgelegenen Filiale oder dem nächsten Versandlager beliefern. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemeldung.

Magento Advanced CMS

Wie bereits vor einigen Monaten bekannt geworden hat sich Magento BlueFoot einverleibt. Dieses CMS-Modul erlaubt es intuitiver Inhalte zu erstellen als der bisherige Magento-WYSIWYG-Editor. Die Funktionalität wird zur Zeit in die Enterprise Edition integriert.

Magento Business Intelligence

Ebenfalls bereits letztes Jahr eingekauft hat Magento bei RJMetrics. Dieses Daten-Analyse-Unternehmen wurde ursprünglich als Magento Analytics re-brandet und heißt nunmehr Magento Business Intelligence (BI). Wie im Blog-Beitrag erwähnt unterscheidet sich Magento BI in einer Essentials- und Pro-Variante. Der Essentials-Service startet bei 100 Dollar im Monat (für Unternehmen bis zu drei Millionen Dollar Umsatz im Jahr) und bietet ca. 75 Reports. Die Reports beantworten Fragen wie:

  • Wie entwickeln sich die Bestellzahlen von Monat zu Monat?
  • Wer sind die loyalsten Kunden?
  • Funktioniert meine Gutschein-Strategie?

Essentials enthält zudem:

  • E-Mail-Zusammenfassungen
  • einen Report-Builder
  • zusammengefasste Daten von Magento und Analytics
  • eine Export-Funktionalität für CSV und Excel sowie
  • 10 User-Accounts mit Berechtigungsstufen.

Fazit

Was habe ich von der Magento Imagine 2017 nach Hause mitgenommen?

  • Die Imagine ist ein riesiges, sehr professionell organisiertes Event.
  • Es war toll, endlich einen großen Teil der amerikanischen Community persönlich kennen zu lernen.
  • Das gleiche gilt für die Magento-MitarbeiterInnen, die es nicht so oft auf europäische Events schaffen.
  • Magento Inc. ist vollkommen auf Magento 2 fokussiert.
  • Magento arbeitet daran, Magento 2 zu stabilisieren und die Entwicklung zu erleichtern.
  • Bei neuen Features liegt ein starker Fokus auf der Enterprise Edition.
  • Ziel ist es, die kostenpflichtige Enterprise Edition attraktiver zu machen. Magento schafft hier Mehrwert für Kunden, die auf starkes Wachstum abzielen.
  • Es dauert bei einem größeren Unternehmen immer bis Abläufe in Bewegung kommen. Magento hat nun aber wirklich einige Schritte auf die Community zugemacht, damit besser zum Code beigetragen werden kann.

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