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Das war das PM Camp Vienna 2013

Auch ich durfte vergangenes Wochenende gemeinsam mit weiteren ca. 50 TeilnehmerInnen am zweitägigen Projektmanagement Camp in Wien teilnehmen, das unter dem Motto „Projektmanagement aus allen Perspektiven“ im Business Base Nineteen stattfand. Die Idee dieser Veranstaltung wurde vor 2 Jahren in Dornbirn geboren und war dort dermaßen erfolgreich, dass sie nun in immer mehr Standorten übernommen wird und heuer schon zum 2. Mal in Wien stattfand. Aus gutem Grund… ;-)

Tag 1

Los ging’s am Freitag. Ab 08:15 konnte man einchecken und sich bei Kaffee und süßen Snacks einstimmen und die ersten TeilnehmerInnen kennenlernen. Das Publikum war sowohl hinsichtlich der Altersstruktur als auch seiner lokalen und beruflichen Herkunft überraschend inhomogen, was 2 spannende Tage versprach.

Nach kurzen einleitenden Worten 2er Organisatoren stand schon die erste schwere Entscheidung zwischen den beiden parallel stattfindenden Impulsvortägen an. Allein anhand dieser beiden Themen war schnell klar, dass agile Methoden/Scrum ein Schwerpunkt der kommenden Tage sein wird.

Der Impulsvortag

Ich entschied mich für den Vortag „Build – Measure – Learn: Was macht agile Methoden erfolgreich?“ von Christian Hassa, in dem er anhand eines Beispiels seines beruflichen Alltags den erfolgreichen Einsatz agiler Methoden bei einer Softwareentwicklung zur Unterstützung von Wahlen skizzierte.

Er zeigte dabei, wie man ausgehend von den Features, die man in der Regel vom Kunden erhält, durch Reverse Engineering zur Impact Map gelangt, die Einblick in die zugrunde liegenden Ziele liefert und somit eine wertvolle Quelle für die Erfolgsmessung des Projekts und Priorisierungs-Entscheidungen von Features  ist.

Die Open Spaces

Nach einer kleinen Pause trafen alle wieder im Saal zusammen. Die Idee und das Konzept des Open Spaces wurden kurz theoretisch erläutert, bevor’s zur Sache ging und die TeilnehmerInnen ihre Vorschläge für die insgesamt 12 Sessions (jeweils 3 Runden mit 3 parallel stattfindenden Sessions) einbringen durften. Die verfügbaren Plätze waren rasch lückenlos gefüllt.

Auch ich entschied mich nach anfänglichen Berührungsängsten, eine Session zu hosten. Da die meisten der TeilnehmerInnen meines Eindrucks nach aus Firmen und Projekten größeren Umfangs kamen, diskutierte ich mit ihnen die Frage, welche PM-Methoden sie bei Unternehmen und Projekten unserer Dimension als sinnvoll erachten und wie man diese dann im Projekt-Alltag sowohl intern als auch in der Zusammenarbeit mit dem Kunden konsequent  in die Praxis umsetzt. Das vielfältige Feedback zeigte mir einerseits, dass unser Weg in die richtige Richtung geht, überraschte mich aber andererseits auch mit ganz neuen Ideen und ermutigte mich zu weiteren Verbesserungen.

Die 2. Session, an der ich teilnahm, widmete sich dem Thema KV-Erstellung und Schätzung. Neben verschiedenen Schätzmethoden , deren Anwendungsgebiete, Vor- und Nachteile wurde auch der radikale Ansatz  „No estimation“ diskutiert, also einfach gar keine Schätzung durchzuführen. Letzteres wurde aber – alleine aufgrund der schwierigen Planbarkeit und der fehlenden Learnings für künftge Projekte – einstimmig abgelehnt.

„Agiles PM als Weg aus der Krise“ war der Schwerpunkt der 3. Runde dieses Tages. Der Tenor war, dass die Änderung der PM-Methode alleine wohl kaum der Ausweg sein wird, sondern vielmehr die zugrunde liegenden Probleme gesucht und dann dafür passende Lösungen überlegt werden müssen. An dieser Stelle fiel mir wieder das Zitat von Russell Ackoff ein, das schon im Impulsvortag erwähnt wurde: „Successful problem solving requires finding the right solution to the right problem. We fail more often because we solve the wrong problem than because we get the wrong solution to the right problem“.

Ganz besonders interessant war für mich die Frage nach der Umsetzung „Lateraler Führung“ in der letzten Session dieses Tages. Wir diskutierten dabei in der Runde, wie Führung von Projektmitgliedern ohne disziplinäre Weisungsbefugnis gelingt und ob dafür zwingend Wissen der Projekt-Domäne benötigt wird. Wurden wir uns bei letzterer Frage nicht einig, war zumindest klar, dass für diese Art der Führung neben der Methodenkompetenz viel mehr soziale Fähigkeiten des Projektmanagers entscheidend sind.

Hatte man theoretisch die Möglichkeit, jederzeit zwischen den Open Spaces zu wandern, nutzten das in der Praxis doch die wenigsten. Darum gab’s nach den 4 Runden noch eine kurze Zusammenfassung aller Sessions durch den jeweiligen Hoster.

Die Abendveranstaltung

Wir ließen den langen, interessanten und intensiven Tag in der angrenzenden Bar bei Brötchen, Cocktail & Co. ausklingen, wo noch bis in die Nachtstunden mehr oder manchmal auch weniger fachliche Themen hitzig weiter diskutiert wurden.

Tag 2

Impulsvortrag 1

Da Boris Gloger, der einen der beiden zur Auswahl stehenden Vorträge halten sollte, ausfiel, wurde das Thema „Facilitation-Techniken für Projektmanager in komplexen Situationen“ von Dieter Strasser vorgezogen. Einerseits analysierten wir darin in Gruppenarbeit unsere misslungensten Meetings bzw. umgekehrt, was ein ideales Meeting ausmacht. Andererseits zeigte uns Dieter anhand des Eisbergmodells die verschiedenen Ebenen des Konflikts und dass diese oft in viel tieferen Ebenen liegen, als offensichtlich ist. Wir sprachen über verschiedene Formen der Zusammenarbeit, Führungsstile und die 3 Dimensionen eines Projekts (Maturity Gruppe – Ziele – Zeit), anhand derer man erkennen kann, ob der Einsatz eines Facilitators notwendig ist und was ein solcher überhaupt tut.

Impulsvortrag 2

Der zweite Impulsvortrag „Doing, Not Talking – Mit Designsprints zum richtigen Ergebnis“ von Rudolf Greger war eine erfrischende Abwechslung zum bisher doch sehr IT-lastigen Blickwinkel. Auf eine sehr sympatische und unterhaltsame Art zeigte der Product Designer anhand eines erfolgreich abgeschlossenen Projekts aus der Praxis, dass das Prinzip der Sprints aus der agilen Entwicklung durchaus auch in seiner Domäne erfolgreich angewandt werden kann und skizzierte, wie er das in diesem konkreten Fall umsetzte.

Die Open Spaces

Die ersten beiden Sessions meiner Wahl verschmolzen im Endeffekt thematisch etwas miteinander.
Im Wesentlichen stellten wir uns darin die Frage, wie  man einen positiven Umgang mit Veränderungen bei sich selbst und im Unternehmen fördert. Transparente Kommunikation der Hintergründe und des daraus erhofften Nutzens sind bei fremdbestimmten Veränderungen ebenso wichtig wie ganz allgemein Zeit zur Adaption einzuräumen und auch Phasen der Stabilität zu erlauben.  Außerdem gilt, dabei seine grundlegenden Werte und Haltung nicht aus den Augen zu verlieren.

In den letzten 45 Minuten des Tages versuchten wir, den (real stattgefundenen) Konflikt der beiden von der Persönlichkeit her schwierigen, für den Erfolg des in Zeitbedrängnis geratenen Projekts aber extrem wichtigen Teammitglieder Franz und Herbert, die sich in einem internen Meeting in die Haare geraten sind, aufzulösen. Zumindest in der Theorie gelang uns das durch Mediation mittels gewaltfreier Kommunikation.

Mein Fazit

Für mich persönlich hat sich’s ausgezahlt.

Die Location war (besonders über öffentliche Verkehrsmittel) unkompliziert erreichbar, die Räumlichkeiten gut ausgestattet und – sehr wichtig an dem Wochenende – angenehm temperiert, die Verpflegung köstlich.

Ob das Timing, bei dem man einen ganzen Samstag „opfern“ muss, so ideal ist, sahen die TeilnehmerInnen – abhängig ob angestellt oder selbstständig – naturgemäß anders. Hier kann man’s aber einfach schwer allen Recht machen und ich denke, dass es so ein akzeptabler Kompromiss ist.

Die Organisation per se verlief – abgesehen von den anfänglich falschen, dann aber rasch korrigierten Twitter-Hashtags – reibungslos.

Was mich aber am meisten begeisterte, war der Aufbau der Veranstaltung und die dortige Stimmung. Impulsvorträge boten einen gemeinsamen Einstieg in die Materie, während in den Open Spaces viel Raum für eigene Themen und direkte Gespräche unter den TeilnehmerInnen geboten wurde. Die Beschränkung der Besucheranzahl auf 50 und auch die Bitte der Veranstalter, keine Video- und Tonaufzeichnungen zu machen, förderte eine offene und vertrauensvolle Gesprächskultur, in der jeder zu Wort kam und aufmerksam angehört wurde.
Schade fand ich lediglich, dass – bis auf wenige Ausnahmen – alle Gäste aus einer IT- oder IT-nahen Branche stammten (was auch gleich in einer Session à la „Haben IT-Projekte besondere oder besonders viele Schwierigkeiten?“ mündete, bei der ich aber leider nicht dabei sein konnte). Mehr Impulse aus gänzlich anderen Bereichen wären – wie man am Impulsvortrag zu Designsprints gesehen hat – sicherlich eine Bereicherung gewesen.

Dürft ich mir für das kommende Jahr etwas wünschen, wär’s von den Veranstaltern ein „Weiter so!“ und vom Publikum ein „Kommt wieder!“. :-)

Weiterführende Links

Noch immer nicht genug? Hier gibt’s noch mehr Infos zum PM Camp Vienna:

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Claudia Köninger

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